UNSER BLICK – WELCHE THEMEN DOMINIERTEN IN DEN VERGANGENEN WOCHEN?

Entwurf des „Netzpakets“: Stop or go für die Energiepolitik? (16.02.2026)

Es ist wohl nicht untertrieben zu behaupten, dass es die Energiebranche in der vergangenen Woche wie der Blitz traf: Am Tag, bevor die E-world 2026 in Essen ihre Tore öffnete, machte der Referentenentwurf „zur Synchronisierung des Anlagenzubaus mit dem Netzausbau sowie zur Verbesserung des Netzanschlussverfahrens“ oder kurz „Netzpaket“ aus dem Bundeswirtschaftsministerium ( WE) die Runde. Nicht verwunderlich also, dass es das Top-Thema in den Diskussionen auf den Ständen und Podien war. Worum geht es im Kern?

Das Paket ist eine notwendige Anpassung an die Realität knapper Netzkapazitäten. Es schafft einen regelgebundenen Rahmen für Priorisierung, Reservierung und Kapazitätsmanagement und modernisiert Kundenprozesse. Entscheidend ist die präzise Ausgestaltung der Instrumente, damit Systemfähigkeit und Ausbau der Erneuerbaren nicht behindert werden. In diesem letzten Punkt sorgt der Entwurf für massive Widerstände, da mit der geplanten Kappung des Einspeisevorrangs die Anschlussrechte von Erneuerbaren infrage gestellt werden. Es wird ein Investitionsstopp befürchtet.
Ein Redispatchvorbehalt soll es außerdem Netzbetreibern ermöglichen, Netzgebiete als „kapazitätslimitiert“ auszuweisen, in denen Entschädigungen für etrei er on Erneuer arenanlagen entfallen – und zwar für 10 Jahre. it dem edispatch or ehalt werde „für die erteilnetz etrei er das Pro lem des Netzanschlusses an ‚ ollen Netzen‘ esser eherrsch ar gemacht“, heißt es in der Gesetzbegründung. Hier gilt es Schwellenwerte, Dauer, Risikotransfer zu definieren.
Baukostenzuschüsse und neue Einspeisenetzentgelte werden diskutiert, während gleichzeitig die Verfahren für Netzanschlüsse dezentralisiert und auf über 800 Verteilnetzbetreiber verteilt werden sollen, die wiederum jeweils eigene Kriterien für eine Anlagenleistung ab 135 Kilowatt (kW) festlegen sollen.
Diese hochgradig politischen Fragen werden in den kommenden Wochen auf ihre Konsensfähigkeit auf der politischen Ebene einer Prüfung unterzogen.
Die andere Seite ist eine ganze Bündelung von geplanten Maßnahmen, die adressiert, dass Netzanschlusskapazitäten zum knappen Gut werden und die Marktkommunikation vor einem Digitalisierungsschub steht. Sich dies anzuschauen, ist lohnenswert, denn sie adressieren wichtige Herausforderungen, wie z.B., dass der Netzausbau nicht schnell genug vorankommt.
Drei Herausforderungen sollen adressiert werden
1.
Mengenproblem: Die Masse der Anfragen (v.a. Großbatteriespeicher) überfordert das System, das Windhund-Prinzip (first come, first served) ist ungeeignet, da es Realisierungswahrscheinlichkeit und Systemnutzen nicht abbildet.
2.
Konkurrenzproblem: Verschiedene Akteure konkurrieren um dieselben Kapazitäten, Netzbetreibern fehlen transparente, robuste Instrumente zur Bewirtschaftung der Knappheit und zur Verhinderung spekulativer Blockaden.

3.
Netzanschluss ist kein bilateraler Vorgang mehr, sondern ein gesamtwirtschaftlich relevantes Systemverfahren.
Im Detail bedeutet der Vorschlag:
Mehr Steuerungsmöglichkeiten und Flexibilität

Der Entwurf ist ein Tausch: Neue Steuerungsinstrumente gegen mehr Transparenz, digitale Prozesse und verbindlichere Kommunikation für Anschlussinteressenten.

Netzbetreiber dürfen Netzanschlussbegehren z.B. künftig nach gesetzlichen Kriterien priorisieren und depriorisieren, statt wie isher nach dem „Windhund-Prinzip“ (wer zuerst kommt, mahlt zuerst) zu verfahren. Dies ist auf der Ebene der Übertragungsnetzbetreiber bereits diskutiert, s. Artikel weiter unten.

Sie können sie Kapazitäten gezielt für bestimmte Projekte oder Nutzungsarten reservieren und so die Netzbelastung besser steuern.
Digitalisierung und Transparenz

Verpflichtung zur Einführung digitaler Netzanschlussportale und Online-Tools, die eine unverbindliche Netzanschlussauskunft ermöglichen.

Netzbetreiber müssen innerhalb von drei Monaten nach Antragseingang klare Statusinformationen liefern und quartalsweise aktualisieren.

Es gibt Pflichtinformationen zum Ablauf und zu Unterlagen sowie eine Eingangsbestätigung.

Es geht um End-to-End-Digitalisierung und Standardisierung, verbindliche Status- und Rückmeldepflichten sowie die Transparenz über Kapazitäten und Vorstufen zum Antrag. Das schafft Transparenz und ermöglicht professionelles Risikomanagement.
Folge: Effizientere Prozesse

Durch die Digitalisierung und die Möglichkeit, Scheinanträge und Mehrfachanfragen zu vermeiden, wird der Bearbeitungsaufwand reduziert.

Kapazitäten, die drei Jahre nicht genutzt werden, können wieder freigegeben werden, was Blockaden durch nicht realisierte Projekte verhindert.

Digitalisierung ist nicht nur Effizienzsteigerung, sondern wird zum Maßstab für Netzleistungsfähigkeit und Energiewendekompetenz. Standardisierte Prozesse ermöglichen dabei eine bessere regulatorische Bewertung.

Im Ergebnis ist mit einer messbaren und vergleichbaren Netzqualität zu rechnen, die aber gleichzeitig für weniger digitalisierte Netzbetreiber in der Umsetzung zur Herausforderung wird.
Neue Herausforderungen und Pflichten

Das Paket macht digitale Netzanschlussportale und Online-Tools zur Kapazitätsauskunft verpflichtend. Das bedeutet einen hohen Umsetzungsaufwand für IT, Prozessumstellung und Schulung der Mitarbeitenden.

Strengere Kommunikationspflichten gegenüber Anschlussinteressenten (z.B. Rückmeldepflichten).


Notwendigkeit, Baukostenzuschüsse differenziert zu erheben und zu begründen.
Erste Einschätzung
Der vorliegende Referentenentwurf zum sog. Netzpaket adressiert dringenden Handlungsbedarf zur Verbesserung und Beschleunigung des Netzausbaus. Bis 2028 sollen alle Verteilnetzbetreiber (VNB) vollständig digitalisiert sein, inklusive Schnittstellen für Netzanschlussbegehren und Netzplanung. Gleichzeitig sollen sie künftig eigenständig Anschlussverfahren definieren, was zu einem Flickenteppich an Regeln führen könnte.
Das Netzpaket bringt für Netzbetreiber mehr Steuerungs- und Transparenzpflichten sowie enorme Chancen im Bereich Digitalisierung und Prozessstandardisierung. Die Vorteile liegen in effizienteren, faireren und transparenteren Prozessen, die Nachteile in der Komplexität der Umsetzung und möglichen Investitionsrisiken bei Engpassgebieten. Entscheidend wird die konkrete Ausgestaltung und die Fähigkeit aller Beteiligten sein, die neuen Standards und digitalen Prozesse umzusetzen.
Gleichzeitig, und das ist in meinen Augen das kommunikativ und strategisch hinderliche Element an dem Vorschlag, stellt es eine fundamentale Frage: Wie geht es mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien weiter? Diese zunächst sehr allgemein anmutende Frage des Netzpakets ist auch im Zusammenhang mit dem Monitoringbericht der Bundesregierung und dem 10-Punkte Plan von Bundesministerin Katherina Reiche von September 2025 zu sehen, nach dem der Ausbau der Erneuerbaren dem Netzausbau folgen soll. Diese Prämisse kann man in mehreren Richtungen denken. Eine Frage ist, welchen Einsparungswert die vielen Flexibilitätspotentiale bieten, die zum Beispiel auf der E-world nicht mehr nur als innovative Randerscheinungen diskutiert werden, sondern als in vielen Kontexten bereits erfolgreich laufende Projekte. Klar ist auch seit langem, dass der Netzausbau nicht schnell genug vorankommt, dass aber gleichzeitig Flexibilisierung nicht angereizt wird, was zu erheblichen Einsparungen beim Netzausbau führen würde. Wenn Flexibilitäten gezielt eingesetzt werden und das Netz optimal genutzt wird, muss das Netz weniger schnell ausgebaut werden oder der Ausbau kann sogar aufgeschoben werden. Außerdem werden die vorhandenen Netzanschlusskapazitäten besser ausgeschöpft. Laut Monitoringbericht der Bundesregierung lassen sich dadurch über 30 Prozent der Investitionskosten einsparen.
Auf EU-Ebene sehen wir gerade das Gegenteil: EE-Ausbau wird beschleunigt und die Netze müssen nachziehen. Gerade wurden im sog, Grid Package Genehmigungsverfahren für Netze, Erneuerbare und Speicher vereinfacht, entbürokratisiert und entschleunigt, um einen 32-prozentigen Elektrifizierungsgrad zu erreichen.
All diese Diskussionen unbeachtet steht die Tatsache, dass es sich bei dem Papier um einen Referentenentwurf handelt, der noch nicht das Bundeskabinett passiert hat, geschweige denn in den Bundestag eingebracht wurde. Aufgrund der hitzigen politischen Debatten um die Frage der Bedeutung der Erneuerbaren ist davon auszugehen, dass diese Teile sich noch innerhalb des parlamentarischen Verfahrens ändern werden.
Egal wie es mit dem Paket weiter geht. Wichtig ist es, dass Digitalisierung, Standardisierung und Transparenz nicht als Selbstzweck, sondern als echte Lösung für die Engpässe und Unsicherheiten verstanden werden. [CA]

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