SEKTORÜBERGREIFEND

SEKTORÜBERGREIFEND – REGULATORIK

Fehlende finanzielle Anreize sorgen für Kritik an Qualitätsregulierung (09.02.2026)
Die geplante Reform der Qualitätsregulierung durch die Bundesnetzagentur stößt bei mehreren Verbänden auf deutliche Kritik: Künftig soll neben der Netzzuverlässigkeit auch die Netzleistungsfähigkeit der Stromnetzbetreiber bewertet werden. Während Unterbrechungsdauern weiterhin Auswirkungen auf die Erlösobergrenzen und damit auf die Einnahmen der Unternehmen haben, verzichtet die Behörde beim neuen Qualitätsmerkmal zunächst auf monetäre Anreize und setzt stattdessen auf Transparenz.

Die Qualitätsregulierung ist ein Regulierungsinstrument der BNetzA, um die Qualität der Netzdienstleistung von Strom- und Gasnetzbetreibern steuert und bewertet. Sie soll verhindern, dass Netzbetreiber aus Kostendruck bei Wartung, Instandhaltung und Investitionen sparen.

Aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands reicht das nicht aus. Fortschritte bei Netzanschlüssen, Digitalisierung und der sogenannten Energiewendekompetenz – gemessen etwa an zusätzlich integrierten erneuerbaren Erzeugungsanlagen und Speichern – müssten durch ein Bonus-Malus-System wirksam incentiviert werden.

Auch der Energieverband BNE warnt, dass Investitionen in bessere Anschlussprozesse und digitale Infrastruktur zunächst Kosten verursachen, während Effizienzgewinne erst später eintreten. Ohne klare finanzielle Anreize bestehe die Gefahr, dass Netzbetreiber notwendige Investitionen hinauszögern. Zumindest ein verbindlicher Zeitplan für eine spätere Monetarisierung der Netzleistungsfähigkeit sei erforderlich.

Der VKU äußert zudem Bedenken gegen die geplante Veröffentlichung von Kennzahlen zum Digitalisierungsfortschritt. Solange die Datengrundlagen nicht einheitlich und belastbar seien, drohten wenig aussagekräftige Rankings. Hintergrund ist ein Gutachten der Beratung E-Bridge, das den durchschnittlichen Digitalisierungsgrad von 809 Verteilnetzbetreibern mit lediglich 25 von 100 möglichen Punkten bewertet hatte – eine Einschätzung, die der VKU wegen methodischer Schwächen infrage stellt.
Damit steht die Bundesnetzagentur vor der Herausforderung, Transparenz und Anreizwirkung in ein ausgewogenes Regulierungsdesign zu überführen. Ob die neue Qualitätsdimension ohne unmittelbare finanzielle Steuerungsimpulse tatsächlich Investitionen in Digitalisierung und Netzanschlüsse beschleunigt, dürfte maßgeblich von der weiteren Ausgestaltung und einer möglichen späteren Monetarisierung abhängen. [PZ]
Quelle:
Tagesspiegel Background Energie & Klima: Verbände bemängeln fehlende monetäre Anreize bei Bewertung der Netzleistungsfähigkeit, abgerufen am 09.02.2026

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